Armutssensible Sprache

In den letzten drei Tagen hatte ich das Glück, mit vier verschiedenen Medien Gespräche oder Interviews zu führen. Und jedes mal kam irgendwann das Thema armutssensible Sprache auf. Oft begleitet von fragenden Blicken. Bisher dachte ich dieses Thema sei einfach zu unwichtig, doch es stellt sich mehr und mehr heraus das ganz einfach noch viel Unwissenheit besteht.

Was bedeutet armutssensible Sprache?

Sie versucht, beschämende Begriffe wie „sozial schwach“ oder Vorurteile, egal ob schriftlich (fehlende Anreize, suchen Ausreden) oder bildlich (zB Armutsbetroffene mit Dosenbier am Hauptbahnhof oder die chaotische Wohnung einer betroffenen Familie) zu vermeiden und Armut als das darstellen was sie ist: vielfältig, komplex und vor allem (noch) unsichtbar. Denn die meisten Betroffenen scheuen es aus guten Gründen in der Öffentlichkeit zu stehen. Sich gegen Vorurteile und Beschämungen zu wehren kostet viel Kraft. Kraft, die aber der Alltag am finanziellen Limit auffrisst.

Und warum ist beschämungsfreie Berichterstattung nun so wichtig?

Es reicht nicht, Betroffenen einfach nur mehr Geld in die Hand zu geben und hoffen damit Armut bekämpft zu haben. Solange Vorurteile noch immer verbreitet werden, solange Menschen nach wie vor glauben arm sei nur wer faul sei oder nicht mit Geld umgehen könne, genau so lange wird der Kampf gegen strukturelle Armut immer nur von „unten“ geführt, aus einer fast ausweglosen Situation heraus. Erst wenn wir es schaffen, Armut zu entstigmatisieren, können wir auf Augenhöhe über die Faktoren und vor allem die Folgen von struktureller Armut reden. Erst dann werden Unterstützungen wie eine Sozialhilfe (die dringend reformiert werden müsste, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen) nicht mehr als Almosen gesehen sondern als notwendiges Instrumentarium um die Folgen von struktureller Armut abzufedern.

Wenn sich nun Medien denken – ja, eh, aber dafür haben wir einfach keine Zeit….einfach melden. Artikel oder Beiträge auf armutssensible Sprache durchzulesen ist inzwischen fast der Hauptanteil meiner Arbeit. Mehr dazu auch hier: und wie arbeitet ar-MUT

Wer Fragen hat oder sich über das Thema armutssensible Sprache erkundigen möchte: Kontakt

Eure Frau Sonnenschein

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