Wehrt euch doch einfach…

…ist einer der Ratschläge die ich in meinem Leben am öftesten gehört habe wenn ich Beschämung thematisiere. Klingt simpel und logisch – aber ist es auch so einfach? Definitiv nicht und dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. fehlende Kraft und fehlendes Wissen über Armut – viele die in Armut leben oder durch Jobverlust/Krankheit/Pflege/Betreuung in Armut geraten setzen sich nur sehr wenig mit dem Thema auseinander. Aus dem simplen Grund weil die Kraft dafür fehlt. Je weniger ich aber über Armut weiß desto höher sind die Chancen alles zu glauben was über uns Betroffene an Vorurteilen erzählt wird. Arm zu sein bedeutet täglich mit den geringsten finanziellen Mitteln den Alltag zu bewältigen (denkt doch einmal an eure Ausgaben die ihr täglich habt, Einkauf, Geld für diverse Dinge in der Schule, Jause, Medikamente, die nicht auf Rezept erhältlich sind, Öffitickets, Kleidung, von sozialen Kontakten, Treffen mit Freund*innen in Cafés gar nicht zu reden…). Mit einem Tagesbudget von teilweise unter 7 Euro für 6 Personen jeden Tag sämtliche Ausgaben zu bewältigen bedeutet nicht nur extreme Planung sondern auch extremste Disziplin. Und vor allem – es darf nichts dazwischen kommen. Keine unerwarteten Ausgaben, keine Reparatur, kein Laptop der aufgibt aber so dringend für die Schule benötigt wird (und ja, in höheren Schulen wird das vorausgesetzt). Der Tag dreht sich rein ums finanzielle Überleben. Das hier keine Kraft mehr bleibt sich mit der Thematik von struktureller Armut auseinanderzusetzen bleibt, sollte eigentlich jemensch einleuchten. Ist aber leider nicht der Fall, was mir mehr und mehr bewusst wird je öfter ich mit Menschen zusammenarbeite, die privilegiert sind und Armut nur aus den Medien kennen.
  2. fehlende Ressourcen – arm zu sein bedeutet sich zurück zu ziehen. Bedeutet auch nur noch wenig Kontakt mit dem Umfeld zu haben. Woher nun also Informationen nehmen? Woher wissen was korrekt ist und was Vorurteil. Nicht alle bewegen sich so im Internet wie viele von uns es tun. Da werden schnell diffamierende Berichte, Artikel, Sendungen zur Quasi-Wahrheit. Woher das Wissen nehmen das solche Medien nur auf Clickbaits aus sind und weit entfernt von der Wahrheit? Man kann Betroffenen nicht vorwerfen sich zurück zu halten solange Beschämung und Vorurteile in der Berichterstattung akzeptiert sind. Wir sind nicht in der Bringschuld.
  3. Argumente – woher hätte ich vor vier Jahren die Argumente gegen Beschämung nehmen sollen wenn ich weder gewusst habe was strukturelle Armut ist beziehungsweise wie Beschämung funktioniert? Ich habs geschafft weil ich online den Rückhalt und die Kontakte gefunden habe, die dazu nötig sind. Das waren jedoch Jahre intensiver Arbeit und Menschen die unerstützt haben diese Argumente zu finden.
  4. und hier sind wir beim wichtigsten Punkt: Armut verursacht allein zu sein und keinen Rückhalt zu haben!

Sich gegen Beschämung zu wehren funktioniert nur wenn man Rückhalt, Bestärkung, Wissen, Kraft, Zeit und Ressourcen hat. Genau das fehlt den meisten Betroffenen. Also verlangt nicht von Armutsgefährdeten sich selbst gegen Beschämung zu wehren sondern werdet Teil jener, die uns den Rückhalt geben, die uns bestärken, die uns zuhören und die mit uns statt nur über uns reden. Nur so können wir uns wehren. Nur so geht Rückhalt.

Wenn ihr mehr darüber wissen möchtet wie ihr etwas dazu beitragen könnt Armutsbetroffenen gegen Beschämung zu unterstützen – meldet euch für ein persönliches Zoom Gespräch Termine oder via Whatsapp Kontakt

Wenn ihr Betroffene seid und mehr darüber erfahren möchtet was Beschämung verursacht dann scheibt mir Kontakt oder meldet euch für einen kostenlosen Workshop an Termine

Da die Beratung sowie die Workshops für Armutsbetroffenen kostenlos sind, Gespräche mit Nichtbetroffenen ebenso freue ich mich natürlich über jede Unterstützung von Menschen, denen es möglich ist: Paypal Frau Sonnenschein

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Und wer regelmäßig unterstützen möchte damit ich meine Arbeit gegen Armut und Beschämung unabhängig weiterführen kann

Patreon Frau Sonnenschein

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