Tag der Armut

In Österreich sind 17,5 % der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, das sind 1.529.000 Menschen. Die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60 % des Median-Einkommens und beträgt zB für einen Ein-Personen-Haushalt 1.328 Euro, für zwei Erwachsene + zwei Kinder 2.789 Euro. Besonders betroffen sind Langzeiterwerbslose, Alleinerzieher*innen, (chronisch) Erkrankte und Frauen, die aufgrund von fehlender Vereinbarkeit in Altersarmut landen. 350.000 Kinder im Alter von 0 bis 17 leben in Armut.

Hier der Link zu den Zahlen der Statistik Austria: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/armut_und_soziale_eingliederung/index.html

Das waren die trockenen Zahlen. Doch dahinter stecken Menschen! Menschen, die entweder durch vererbte Armut und soziale Ungleichheit nie eine Chance hatten (das dieses „man muss sich nur genug bemühen“ unwahr ist sollte sich inzwischen bei allen durchgesprochen haben), die durch Betreuung, fehlende Vereinbarkeit oder Pflege in prekären Jobs festhängen (an dieser Stelle ein Danke an Kurz und Co fürs Absägen der flächendeckenden Nachmittagsbetreuung nur um die eigene Machtstellung auszubauen, 1,2 Milliarden, die so wichtig und hilfreich in der Armutsbekämpfung gewesen wären gegen einen Egotrip einzutauschen zeugt wie viel soziale Schwäche Türkis besitzt), Menschen, die durch Jobverlust oder Erkrankungen aus dem Erwerbsleben rausfallen, und viele davon, die mit 50+ beinahe Null Chancen auf dem Erwerbsmarkt haben.

Menschen, die hoffen, die alles versuchen, kämpfen. Aber auch resignieren. Weil die Kraft ausgeht. Weil der tägliche finanzielle Kampf alles abverlangt und dank der Vorurteile und Beschämungen keine Hoffnung mehr da ist ernst- oder wahrgenommen zu werden. Denn eins bekommen Betroffene ständig präsentiert: war arm ist ist selbst daran schuld. Bemüht sich zu wenig. Kann nicht mit Geld umgehen. Darf maximal Bittsteller sein aber soll sich sonst bitte möglichst still verhalten.

17,5 % der Bevölkerung, das sind keine Einzelschicksale mehr, das ist kein individuelles Versagen/ Verschulden, wie es so gern erzählt wird. Das ist strukturelle Armut aufgrund falscher, verfehlter Politik. 17,5 % zeigt, dass noch immer nach oben verteilt und nach unten getreten wird.

Wir brauchen keinen „Kanzler“ der meint Erwerbslose wieder auf die Bashing-Bühne zu holen und das sogar mit irreführenden Aussagen (die erhöhte Notstandshilfe ist bereits Ende September ausgelaufen) nur um von der parteiinternen Verkommenheit abzulenken. Wir brauchen keine „Delogierungs- und Wohnungssicherungshilfen“ die für Betroffene wieder nur eins bedeuten: sich als Bittsteller degradiert zu fühlen. Wir brauchen sinnhafte, nachhaltige Bekämpfung der strukturellen Armut, die Vereinbarkeit zulässt, Menschen mit 50+ nicht aufs Abstellgleis befördert und auch die gesundheitlichen Folgen von Armut berücksichtig, sowohl physisch als auch psychisch. Wir brauchen eine glaubwürdige Bekämpfung von struktureller Armut ohne Stigmatisierungen.

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