Nicht immer ist es Mut

Wenn Menschen um Unterstützung bitten ist es mir immer ein großes Anliegen dass diese nicht beschämt werden. Es erfordert sehr viel Mut und sie verdienen jeden Respekt vor dieser Entscheidung. Denn oft genug haben sie schon Erfahrung mit abwertenden, vorurteilsvollen Vorwürfen gemacht. Sie wurden konfrontiert mit Sätzen wie „such dir eine Arbeit“, „leb sparsamer“ oder „selbst schuld, hättest eben früher darüber nachdenken müssen ob du dir Kinder, dies oder jenes leisten kannst“. Genau das treibt sie oft zum Rückzug und dazu erst gar nicht mehr um Hilfe zu fragen. Deshalb zolle ich allen, die es dennoch tun meinen vollsten Respekt.

Doch dann gibt es Menschen, bei denen ich fassungslos zurückbleibe. Menschen wie HC Strache zum Beispiel. Jemand, der jahrelang in der Spitzenpolitik abkassiert hat, Klubobmann sowie Vizekanzler war, Wohnkostenzuschuss auf Parteikosten genossen hat, von den Luxusurlauben und Restaurantbesuchen erst gar nicht zu reden. Ein Mensch, der jahrelang sehr gut verdient hat. Dessen Frau ebenfalls aktuell im Nationalrat sitzt, eine Familie die definitiv nicht unter der Armutsgrenze lebt. Ein Mensch der keine Scheu davor hatte Menschen in prekären Lebenssituationen zu demütigen, vor allem wenn diese Migrant*innen waren, der der Meinung war mit 150 Euro pro Monat sollten Mindestsicherungsbezieher*innen auskommen.

Eben dieser Strache bittet nun öffentlich um Spenden um seine „notwendigen anwaltlichen Kosten zwecks juristischer Verteidigung gegenüber den falschen und verleumderischen Anwürfen weitherhin sicherstellen zu können, da dies allein kaum möglich und zu bewerkstelligen sei“.

Sehr geehrter Herr Strache, ein Leben weit unter der Armutsgrenze ist fast nicht zu bewerkstelligen, uns Betroffenen ist es unmöglich auch nur ansatzweise gegen verleumderische Anwürfe vorzugehen (die von Ihnen und Ihren Parteikolleg*innen zu allzu oft geäußert wurden). Und ja, all diese Vorwürfe und Falschbehauptungen über Armutsbetroffene, zu denen Sie einen großen Teil beigetragen haben, haben Auswirkungen. Betroffenen ziehen sich zurück, ihnen fehlt die Kraft und der Mut sich zu wehren. Und oft endet ist in Krankheit. Was – oh surprise – extrem finanziell belastet.

Anfangs war ich fast geneigt Ihnen zu raten sich doch einfach einen Job zu suchen, aber ich möchte mich nicht auf Ihr Niveau begeben. Nein, Sie haben jahrelang sehr gut verdient und immer noch ein sehr gutes Familieneinkommen, sie werden auch ohne AMS über die Runden kommen. Sie werden auch nie von mir hören „selbst schuld, Pech gehabt“. Aber was ich nicht ertrage ist wenn Menschen wie Sie, die jahrelang nur eins gut konnten, nämlich nach unten zu treten und selbst nicht genug zu bekommen, dabei weit entfernt von Existenzängsten sind, sich nun in die Öffentlichkeit stellen und um finanzielle Hilfe fragen weil nun alle anderen daran schuld sind. Das hat nichts mit Mut zu tun. Das ist abgehoben und in höchstem Maße unverschämt. Und eine Verhöhnung all jener auf deren Kosten Sie jahrelang Politik und somit ihr Geld verdient haben. Schämen Sie sich einfach.

Mit freundlichen Grüßen

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