Solidarität

ist ein schönes Wort, ein mächtiges Wort. Eins, das aber auch etwas vorspielt das es so bei uns nicht, oder nur bei wenigen unvoreingenommen gibt. Gleich obs um Armut oder impfen geht, um Teilhabe oder Maßnahmen – die Bevölkerung zu Solidarität aufrufen klingt zwar nett, ist aber ein Ruf, der in den Tiefen der österreichischen Wälder verhallt.

Warum ich nichts davon halte auf solidarisches Verhalten zu pochen? Weil uns die letzten Monate zu gut verdeutlicht haben dass der Zenit an jenen, die aus Achtsamkeit anderen gegenüber impfen gehen, weit überschritten ist. Diese waren unter den ersten. Wer jetzt geht macht es definitiv nicht weil man auf vulnerable Gruppen achtet oder sich bewusst ist andere zu gefährden. Man geht impfen weil die Einschränkungen nervig werden, weil das eigenen Handlungsfeld eingeschränkt ist. Und bitte nicht falsch verstehen, auch diese Gründe sind ok, solange es beiträgt langsam wieder aus dieser Pandemie zu kommen.

Solidarität hat funktioniert als es um die Großelterngeneration ging. Darum, sie zu schützen. Wer möchte schon mit dem Gedanken leben müssen die eigenen Großeltern angesteckt zu haben? Wobei – auch das war weniger aus Solidarität sondern um das eigene Gewissen zu beruhigen. Genauso läuft doch auch diese angebliche Solidarität wenns um Armut geht. Bei Schicksalschlägen wird schnell und gern geholfen. Aber bitte nur dann wenn die Betroffenen eine vorzeigbare Familie sind. Also im besten Fall Vater, Mutter, 2 Kinder. Er Vollzeitjob, sie Teilzeit um nachmittags voll in ihrer Mutterrolle aufzugehen und zwischen basteln, Elternverein, Fußballtraining und Musikunterricht zu switchen. Häuschen, 2 Leasingautos in der Garage. Wird diese Familie von einem Schicksalschlag getroffen lässt die Welle der Solidarität nicht lange auf sich warten. Wirklich aus Solidarität? Wohl eher aus dem Gedanken heraus, so könnte es uns auch treffen. Immer „fleißig“, immer brav. Um das eigene Gewissen zu beruhigen und um die Sicherheit zu haben das im Fall der Fälle auch für einen selbst Hilfe da ist wenn das Schicksal zuschlägt.

Wir haben uns jahrzehntelang antrainiert dass das Leben aus dem Einsatz von Ellbogen besteht, dass man sich selbst am nächsten ist. Wir haben verlernt was das Wort Solidarität bedeutet. Nämlich nicht sich nur dann solidarisch zu zeigen wenn es ins eigene Weltbild passt. Offen für die Hürden und Schwierigkeiten anderer zu sein, den Blick aus der eigenen Komfortzone raus zu wagen – das alles haben wir verloren. Und die Pandemie führt es uns leider deutlich vor Augen. Solidarität gibts nur dann solange sie ins eigene Weltbild passt. Vielleicht sollten wir diesen Begriff nicht mehr allzusehr strapazieren, denn mit jedem neuen Aufruf von Medien oder Parteien an die Solidarität verstärken wir damit die falsche Bedeutung von diesem Begriff. Solidarität sollte nicht mit Eigennutz verwechselt werden, doch genau das geschieht aktuell viel zu oft.

LG eure mehr als sonst nachdenkliche Frau Sonnenschein

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